Der Wunsch in mir.
Der Drang, etwas zu kreieren, zu entwickeln und zu erschaffen, wodurch Menschen mehr Leichtigkeit, mehr Wertschätzung und mehr Verbundenheit erfahren – mit sich selbst, mit anderen und mit der Welt. Vielleicht war dieser Wunsch nichts anderes als meine Suche nach einer Antwort auf die Frage:
Existiere ich überhaupt?
Und wenn ja – wie geht das eigentlich? Wie fühlt sich Dasein an? Wie fühlt sich Verbundenheit an? Wie fühle ich mich selbst an?
Und wenn nicht – wer ist dieser Jemand, der mir zeigt, wie Leben wirklich geht? Wie Nähe geht. Wie Verbindung geht. Lange Zeit fühlte es sich an, als würde ich in einem Kokon leben. Oder in einem Gefäß aus Glas. Unsichtbar. Klein. Unbedeutend.
Vielleicht war es schon damals die Anpassung an Botschaften wie:
Sei leise. Fordere nichts. Sei nicht frech. Und vor allem: Du hast nichts zu sagen.
Doch wie sollte ich mich bemerkbar machen?
Ich war zu klein, um zu verstehen. Aber bereits groß genug, um Angst zu haben.
Angst vor Streit.Angst vor Lautstärke. Angst vor Trennung.
Also lernte ich auszuhalten.
Und ich lernte, dass ich nur dann sichtbar werden durfte, wenn etwas perfekt war. Denn 99 Prozent waren nicht genug. Oder war ich selbst einfach nicht genug?
In meinen ersten Lebensjahren fühlte es sich an, als wäre ich das Kind, das „ganz nebenbei“ existierte. Da war zwar ein Kind mit Bedürfnissen – doch wirklich zählen durften nur die Bedürfnisse, die sich dem unterordneten, was man von mir erwartete.
Mich ausprobieren. Mich ausdrücken. Mich gleichberechtigt fühlen.
All das hatte keinen Raum.
Später verstand ich, dass Anpassung oft viel früher beginnt, als wir glauben. Bewusst oder unbewusst lernen wir, uns so zu verhalten, dass wir dazugehören, geliebt werden oder zumindest keinen weiteren Schmerz erfahren.
Und jemand zu sein, der sich nach Verbindung sehnt, aber sie nicht wirklich fühlen kann, fühlt sich an wie ein Leben hinter Glas.
Du sitzt in einem Glashaus. Tausende Menschen ziehen an dir vorbei.
Du kannst sie sehen. Du kannst sie beobachten. Du kannst sie bewundern.
Doch du kannst sie nicht ansprechen. Nicht berühren. Nicht umarmen, wenn dir danach ist.
Nähe bleibt unerreichbar. Verbundenheit bleibt eine Vorstellung.
Und während draußen das Leben vorbeizieht, begleiten dich innen jene Stimmen, die dich klein halten: Fall nicht auf. Ordne dich unter. Will nicht zu viel. Gib keine Widerworte.
Wenn ich heute auf meine Entwicklung blicke, erkenne ich, wie sehr meine frühen Lebensphasen von dem entfernt waren, was ein Kind eigentlich braucht, um Vertrauen, Autonomie und eine gesunde Identität zu entwickeln.
Viele Entwicklungsschritte konnten damals nicht vollständig gegangen werden. Und niemand war da, der mir später zeigte, wie man sie nachholt. Vielleicht ging deshalb die Suche nach diesem „Jemand“ so lange weiter.
Doch heute weiß ich etwas anderes. Defizite hinterlassen nicht nur Wunden. Sie bringen auch Fähigkeiten hervor. Sie schärfen Wahrnehmung. Sie fördern Sensibilität. Sie lassen uns Zusammenhänge erkennen, die andere oft übersehen. Und genau deshalb bin ich heute hier.
Weil dieser Niemand erkannt hat, dass er selbst dieser Jemand geworden ist.
Nicht perfekt. Nicht angekommen. Aber bereit.
Bereit, Menschen dabei zu begleiten, ihre eigene Identität zu entwickeln.
Bereit, ihnen zu zeigen, dass sie mehr sind als die Rollen, die sie gelernt haben zu spielen.
Mehr als Anpassung. Mehr als Kontrolle. Mehr als Rückzug.
Denn hinter den tausend Masken wartet etwas Echtes.
Ein Mensch. Der sich nicht länger anpassen muss, um geliebt zu werden. Sondern der lernen darf, sich selbst zu begegnen.
Und genau dort beginnt für mich wahre Verbundenheit.
Dein Frank